Heute gedenken wir alle, die uns voraus gegangen sind. Folgendes Gedicht schrieb ich nach einem Jahr ohne Verluste. In den Jahren davor hatten wir einige Male Abschied nehmen müssen – von einer lieben Freundin, meinen Schwiegereltern, einem Onkel und meiner Oma. Abschied gehört zum Leben dazu, und er tut weh.

Allerheiligen

 

Vier Jahre sind vergangen, seit wir das letzte Mal hier standen, in der Menge,

aber dieser Besuch gilt nur der einfachen Erinnerung,

während der Pfarrer sein Allerheiligen Rap liefert,

und das Mädchen vor mir mit dem Taschenriemen spielt,

und ein anderes Blätter pflückt und Ringe daraus kreiert,

während ich die Tränen wegblinke und ablenkende Dinge suche.

Die Predigt fesselt meine Aufmerksamkeit über dem lachenden Bach,

Von wegen ihre Arbeit ist erledigt, und Gott ist für uns da, und gibt uns.

Sie sind nicht tot, sie wohnen nur woanders.

Er liest die Namen der diesjährig Verstorbenen vor.

Wieder kämpfe ich gegen Tränen, denke an meine Oma, die nicht mehr hier ist.

Ich suche Trost im Gedanken, dass sie keine Entscheidungen mehr treffen muss.

Sie ist fertig. Ich bete, dass sie ihren Weg findet und dann höre ich

„Sie sind mit Gott.“ Ein Lächeln breitet sich auf meine Lippen aus,

als ich daran denke, wie gerne sie in die Kirche ging,

sogar ganz am Schluss, ihre Freude an einer Radiomesse auf Lateinisch,

die unhöflich von einem gutmeinenden Übersetzter unterbrochen wurde,

aber sie genoss es, so gut es ging.

Ablenkung stellt sich vor, dass mein Name vorgelesen wird.

Ich frage mich, in welchem ausgesuchten Jahr es kommt

und wer hier stehen wird.

Hier am letzten Platz vor dem Bach,

Tränen der Erinnerung und des Verlusts zurückhaltend,

die Welle der anschließenden Ereignisse in Erinnerung gerufen,

die Vorstellungen und wesentlichen Veränderungen für die noch Lebenden hinterlassen.

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